dulife

aus dem Kopf und der Sicht eines 23-Jährigen

Sommerrauschen

Der warme Wind strömt durch das heruntergelassene Fenster. Der Blick auf den grauen Asphalt gerichtet. Am Horizont Autos, Straße, Bäume, Felder, Himmel. Im Augenwinkel weht das Haar, streichelt die Haut, sitzt sie und schaut zögerlich vorsichtig zur Seite. Die Hand auf dem rechten Bein liegend, versuchend nicht zu stören, versuchend Sicherheit spüren zu lassen. Aus den seitlichen Lautsprechern tönt Musik, der Soundtrack unserers Sommers, unserer Sekunden, unser Minuten, Stunden, Tage, Wochen und Monate. Dabei klopft der Wind auf die Ohren, unterbricht den Strom der Töne, lässt uns fühlen wie in einem Sturm. Rauschend, berauschend, fast ruhig. Die Gedanken rasen vielleicht schneller als das Auto, sind schon viel weiter aber haben dennoch kein Ziel.

I can’t keep from wondering /

Why nothing good can ever stay /

Why faith feels like a fistful of sand /

(Thrice – Hurricane)

In düstere Dunkelheit getaucht

Diese Faszination für den Himmel, die Sonne, die Wolken. Das Licht. Die Formationen. Die Türme. Die Wattebäusche. Beobachten. Wahrnehmen. Einatmen. Die Luft der klaren Himmelflecken einsaugen.

Spiegelungen in den Augen, alles im Blick. Die Unendlichkeit sehend, an die Endlosigkeit denkend. Sinnbild für die Sehnsucht. Schwebend in den Himmel hinaufsteigend. Alles nur ein Traum nach dem Sterne zählen.

Das Zeltdach über uns. Beschützend, aber durchlässig. Die Strahlen treffen die Haut, der Impuls fürs Leben. Leider nur ein Moment. Einer von vielen. Einer von vielen schönen.

Die, die mit der Zeit immer mehr an Halt verlieren, weil unser begrenztes Ich sie nicht behalten darf. Weil wir durchlässig sind. Weil wir vom dunkelblauen Mantel umhüllt werden. Weil wir in düstere Dunkelheit getaucht sind.

We’re caught barren in the trees
The gown by Chanel, the sound of your laugh
One of us must have stayed
One of us must have lied or gone insane
Tear all your hair out
‘Neath this lavish chandelier

(Get Well Soon – Marienbad)

Verlassen

Verlegt. Zur Seite gelegt. Zurückgegeben. Abgegeben.

Liegen gelassen. Fallen gelassen. Losgelassen.

Entglitten. Getrennt. Abgebogen. Weggegangen.

Zurückgegangen. Weggestoßen. Weggeschubst.

Entsorgt. Zurückgelassen. Vergessen.

Verschwunden. Weggegangen. Kehrt gemacht.

Umgedreht. Weggeschaut. Augen geschlossen.

Kaputt gemacht. Zerschlitzt. Zerrissen.

Durchgeschnitten. Zertrennt. Abgeschnitten.

Zerfetzt. Durchtrennt. Aufgegeben.

Halbtoter Winterschlaf

Das Laub fällt von den Bäumen, wie die Hoffnung aus dem Kopf. Blatt für Blatt. Halbtoter Winterschlaf.

Und auf einmal stockst du, hältst inne, hörst die Gedanken. Im Gedankenkino läuft noch nicht der Abspann, es ist der Rückblick. Du weißt nicht, ob du lieber vorspulen möchtest oder dir alles genüsslich in Ruhe anschauen sollst.

Dein Verstand macht es dir klar. Du weißt genau, was richtig ist und was falsch. Die Zweifel weichen der Gewissheit.

Schlaflos, mutlos, machtlos. Wühlend in der Nacht. Nach der Hand suchend. Nach Schlaf, nach den wahrgewordenen Träumen. Der Mund trocken, die Ohren taub. Zitternd und unruhig. Der Kopf dröhnt und schmerzt. Alles ist kalt und leer. Es kratzt in dir, es juckt dich. Getrocknete Feuchtigkeit in deinem Gesicht. Krusten, die zum Aufreißen verleiten. Wunden, die nicht behandelt werden.

Pochendes Blut. Schmerzende Brust. Leeres Inneres. Hauchende Winterkälte.

Es sind die Gefühle, aber wenige Gefühle sagen mehr als tausende Gedanken. Ihnen kannst du vertrauen, denn der Verstand sagt dir nicht immer die Wahrheit.

Der Kopf neigt sich zur Seite und legt sich sanft auf deine Schulter. Dir Wärme durchströmt deinen Körper, geschlossen sind deine Augen. Du weißt, denn der Film ist eigentlich noch längst nicht zuende.

Gefühlsraub

Davon rennen. Stehen bleiben. Zurück rennen. Alles auf einmal. Alles und nichts. So nah und doch so fern.

Ein Gefühlspirat hat das Heimatschiff geentert. Die Besatzung gefangen genommen und das Kommando übernommen.  Alles aus dem Weg geräumt, was sie geschützt hat. Ihre Gedanken unter Kontrolle.

Hätten wir doch nur einen anderen Kurs gewählt. Wären nicht in unser Verderben gesegelt, hätten unseren Feind stärker bekämpft. Nicht aufgegeben, neue Hoffnung geschöpft. Alle unsere Kräfte gesammelt. Was haben wir nicht schon alles durchgestanden. Die halbe Welt gesehen.

Unser Ziel – die Insel – fest im Blick. Den Kurs festgelegt, bereit für alle unerwarteten Hindernisse. Träumend vom großen Schatz des Glücks und der Unendlichkeit – unser Gold.

Du bist im Meer gelandet. Die Wellen peitschen um dich. Kein Land in Sicht. Du ertrinkst nicht, bist immer nur kurz davor. Kurz davor keine Luft mehr zu bekommen, dich am Wasser zu verschlucken, keine Kraft mehr zu haben.

Du siehst es nur noch davonsegeln, hinein in den Sonnenuntergang. Dein Schiff, deine Heimat. Dein Ein und Alles.

Du bist im eiskalten Wasser gelandet. Ganz allein, ohne Rettungsring. Nur mit der Hoffnung zurück gelassen, dass alles besser werden wird.