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aus dem Kopf und der Sicht eines 23-Jährigen

Gefühlsraub

Davon rennen. Stehen bleiben. Zurück rennen. Alles auf einmal. Alles und nichts. So nah und doch so fern.

Ein Gefühlspirat hat das Heimatschiff geentert. Die Besatzung gefangen genommen und das Kommando übernommen.  Alles aus dem Weg geräumt, was sie geschützt hat. Ihre Gedanken unter Kontrolle.

Hätten wir doch nur einen anderen Kurs gewählt. Wären nicht in unser Verderben gesegelt, hätten unseren Feind stärker bekämpft. Nicht aufgegeben, neue Hoffnung geschöpft. Alle unsere Kräfte gesammelt. Was haben wir nicht schon alles durchgestanden. Die halbe Welt gesehen.

Unser Ziel – die Insel – fest im Blick. Den Kurs festgelegt, bereit für alle unerwarteten Hindernisse. Träumend vom großen Schatz des Glücks und der Unendlichkeit – unser Gold.

Du bist im Meer gelandet. Die Wellen peitschen um dich. Kein Land in Sicht. Du ertrinkst nicht, bist immer nur kurz davor. Kurz davor keine Luft mehr zu bekommen, dich am Wasser zu verschlucken, keine Kraft mehr zu haben.

Du siehst es nur noch davonsegeln, hinein in den Sonnenuntergang. Dein Schiff, deine Heimat. Dein Ein und Alles.

Du bist im eiskalten Wasser gelandet. Ganz allein, ohne Rettungsring. Nur mit der Hoffnung zurück gelassen, dass alles besser werden wird.

„Alles wird gut werden“

Die Milch floss in den Abfluss.

Zerbröckelndes Glück ist schmerzhaft, zerplatzendes Glück am schmerzhaftesten. Fühlen, zu wissen, nichts zu wissen.

Am allerschmerzhaftesten ist es wenn Glück ohne Sinn zerplatzt. Es keinen Grund gibt.

Unser Leben besteht aus endlosen Teilen. Immer wieder kommen neue hinzu und andere verschwinden. Manche sind ganz winzig und andere riesiggroß. Manche können leicht ersetzt oder ausgetauscht werden, doch manche herausgezogenen Teile hinterlassen immer nur eine Lücke. Dadurch stürzt nichts ein, aber es fehlt ein Teil um komplett zu sein, sich ganz und vollständig zu fühlen.

Was ist unsere Hülle schon wert, wenn unser Innerstes brüchig und beschädigt ist. Wenn sie nichts mehr halten kann. Wir können uns selbst zerfressen oder fressen lassen. Beides ist schmerzhaft, nur auf ganz und gar unterschiedliche Weise. Wir können uns wieder zusammenflicken oder gar in eine neue Hülle schlüpfen. Aber eine gute Lösung ist das nie. Gibt es dafür überhaupt eine Lösung?

Wenn um uns herum die kuschelige Höhle verschwunden ist und auf einmal nur noch dunkle Leere uns umgibt. Sie ist betäubend, macht uns stumm, lässt uns schweben. Bis wir wieder auf den Boden des Daseins krachen, von den Trümmern begraben werden und uns freischaufeln oder retten lassen müssen. Wir machen wir auf uns aufmerksam? Wie kann man uns finden? Ist das unser Ende oder unser Anfang?

 

Dezember

Der Winter naht. Eisig vom Wind umschlungen, der Frost an den Lippen. Gefrorene Tränen. Der Hauch der Nacht.

Kristallklarer Schock inmitten der Glückseligkeit. Stich durchs Herz.

Der kalte Schweiß läuft den Rücken hinunter. Lass uns brennen, weiterbrennen. Die Liebe als Brandbeschleuniger. Die Lust und das Prickeln. Die Hitze des Glücks an unseren Wangen. Blockaden lassen wir sprengen, Sorgen nicht weiter quellen, komm lass uns rennen. Weit weg. So weit weg. Weg von alldem Balast der Routiniertheit.

Nichtswissend, nichtsahnend. Verworrene Verästelungen zerplatzen, wie Träume aus Seifenblasen. Realtität statt Gedankenwelt, Besinnung auf das Jetzt und Hier, nicht auf das Nicht und Könnte. Die Hände in Richtung Himmel, Sterne zählend und zeigend auf die Schnuppen vom Himmel herabfallend. Wünsche, Hoffnung, Glück sind nur einen Gedankenschritt entfernt, doch sie sind umzingelt von der bösen Gedankenarmee.

Alles steht und liegt. Wegrennen, nah ans Meer. Die Wertlosigkeit verlassend, immer mit dem Auge zur Seite blickend, deine Hand greifend.

Ich seh in die Augen, die Angst streckt sich hervor, die Ratlosigkeit und die Verzweiflung. Nie da gewesen,

Wir haben zu wenig geschrien. Haben uns immer nur angesehen. Doch ist es nicht das was uns verbindet?

Nach Luft schnappend, dabei doch noch längst nicht außer Atem.

Klarheit inmitten der Ratlosigkeit. Du.

Hunderte Tage

Manche Situationen bleiben stehen. Manche Momente nimmt man mit. Manche Erinnerungen behält man. Wenn die Tage an einem vorbeiziehen, die Jahreszeiten kommen und verschwinden, die Jahre verloren gehen. Dennoch sind bestimmte Zeitpunkte besonders präsent, als wenn man die Pause-Taste gedrückt hätte. Wenig später sind sie bereits verflogen, hinter der nächsten Ecke verschwunden.

Das Herz nährt davon und wird mit der Vergänglichkeit immer dicker und röter. Die Seele wächst prächtig und schmückt sich mehr und mehr. Alles entspannt und genießt, ein wenig wie Freiheit. Manchmal laut lachend und singend, mal leise kitzelnd und beruhigend. Die Gedanken schweifen ab, schwelgen in Zuversicht. Hoffnung auf endlose Glückseligkeit und Zufriedenheit in gemeinsamer Ewigkeit.

Nur manchmal da springt die Angst hervor, die Unsicherheit klettert den Rücken hinauf und übermalt das kunterbunte Sein mit einem grauen schwarz. Die Pflicht mischt sich ein und überdeckt die Sorglosigkeit. Das Sein wird starr und zwickt an jeder Stelle, als einziger Ausweg das Herausschneiden. Doch wir klettern weiter, weiter auf unserem Wunderberg, immer zu in die Höhe um die Spitze, die Spitze, die nur uns gehört, zu erklimmen und den Ausblick hinab, weit in die Ferne zu genießen.

Schönheit des Jetzt

Nach all den dauernd währenden Tagen voller Gleichgültigkeit, Auswegslosigkeit und Ratlosigkeit, in einem eigentlich vollkommen ruhigen Moment, beginnt es immer wieder auf einmal zu kribbeln.

Das Herz hüpft, die Haut kitzelt, der Bauch brummt. Im Kopf platzt das Seifenblasenmeer,  es sprudeln die Gedanken, die Erinnerungen der Momente, die Träume der Zukunft.

Das Bewusstsein wird unscharf, sich konzentrierend auf die viel zu selten präsenten Momente des Glücks. All die Kleinigkeiten die einen umgeben und nur von komischem Kram und negativen Gedanken versteckt werden, damit man sich in seiner Planlosigkeit ertränkt. Schwarz vor Augen wird einem nur, wenn man sie sich auch zuhält. Denn dann verpasst man all das bunte Treiben, welches sich immer abspielt, viel zu häufig unentdeckt und in Vergessenheit geraten.

Nicht die Ziele zählen, das Einzige von Bedeutung ist das Jetzt, das Fühlen, Riechen, Hören und Schmecken. Das Leben aufzusaugen, statt nur vorzuzeichnen, um es anschließend auszumalen. Unsere Füße tragen uns weiter. In die düstere Gasse und schnell wieder hinaus auf die blühende, grüne Wiese. Herum tänzelnd mit den Menschen, drehend, laufend, hüpfend und manchmal eben innehaltend um all das wahrzunehmen. Zeit ist nicht messbar und nicht fühlbar, also füllen wir sie bis zum Rand mit den schönen Dingen, um in ihr zu schwimmen. Die Schönheit des Jetzt.