Reinhören: Stacy Crowne

E-Mails von Bands und Künstlern, die auf ihre Musik hinweisen, landen so einige in meinem Postfach. Vieles ist musikalisch weniger mein Fall und da dieser Blog auf der Basis meines persönlichen Geschmacks aufbaut, findet davon auch nur wenig seinen Weg hier hinein.

Aber ab und zu werde ich auch positiv überrascht, wie im Fall von Stacy Crowne. Hinter dem Bandnamen verbirgt sich nicht, wie man vermuten könnte, eine amerikanische Solo-Künstlerin, sondern eine Kölner Rockband.

Stacy Crowne - www.stacycrowne.com

Die bereits seit 2011 bestehende Formation hat inzwischen eine eigene EP und aktuell eine Split 7“ mit der finnischen Band The Empire Strikes veröffentlicht (beides über die Bandcamp-Seite bestellbar). Besonders die beiden Songs dieser Scheibe haben mich schnell überzeugen können. Im Gegensatz zum Einstands-Werk geht die Truppe hier noch um einiges energiegeladener und flotter ans Werk, was die eigene Beschreibung „High Energy Rock“ absolut rechtfertigt. Die kraftvolle, leicht soulige Stimme von Gitarrist und Sänger Dustin weiß genauso zu überzeugen wie der ordentlich rockig und rohe, aber sauber abgemischte Sound der Rhythmussektion und der beiden Gitarren.

Beeinflussen lassen hat sich die Band unter anderem von den schwedischen The Hellacopters, geht aber noch über die Grenzen des Garage Rock hinaus und bringt ein bereits sehr gelungenes, abwechslungsreiches Songwriting mit. So wird man in „Dynamite Fink“ z.B. von einem so nicht erwarteten Solo überrascht. Insgesamt klingt das bisher veröffentlichte Material sogar überraschend international und sollte wohl den meisten Rockfans einen Daumen nach oben entlocken können.

Website, Facebook, Bandcamp

Zum leicht ins Ohr gehenden „Daystalker“ gibt es sogar ein ganz nettes Video:

Reinhören: Space Chaser

Die noch relativ junge Thrash Metal Combo Space Chaser aus Berlin hat am 07. Oktober auf dem feinen Independent-Label This Charming Man (u.a. Mountain Witch, Kadavar-Debüt) ihr zweites Album mit dem recht epischen Titel „Dead Sun Rising“ veröffentlicht.

Das Covermotiv kann eindeutig als ein „The War Of The Worlds“ Tribut identifiziert werden. Die elf Songs der Scheibe sind dann jedoch nicht nur typischer Oldschool Thrash Metal, sondern tönen allesamt mit einem frischen Wind aus den Lautsprechern. War bereits das Debüt „Watch The Skies“ recht eigenständig, kann mich das Album noch mehr mit abwechslungsreicher Rhythmus- und feiner Gitarrenarbeit überzeugen.

Stimmlich fühlt man sich bei Herrn Siegfried Rudzynski stellenweise sogar an Bruce Dickinson erinnert und auch sonst, könnte die Band auch Metalheads gefallen, die nicht unbedingt große Thrash-Fans sind.

„Dead Sun Rising“ ist ein guter Beweis dafür wie vital und dynamisch eine härtere Metalveröffentlichung aus Deutschland klingen kann.

Auch beim Video zum grandiosen Opener „Metro Massacre“ präsentiert die Band einige coole Ideen und einen überraschenden Gast.

Reinhören: Lizzies

Girlgroups im Rock und Metal-Bereich sind immer ein heikles Thema. Zu schnell werden solche Bands wegen eines bestimmten Images bzw. ihres optischen Auftretens von eingen geliebt und von anderen gehasst. Die einen vergessen bei besonders ansprechender Optik schnell mal die Musik, andere lehnen kategorisch gutaussehende Frauen in Rockbands ab. Komischerweise werden solche Debatten bei männlichen Newcomerbands nie geführt.

Eine Band die auch handwerklich definitiv überzeugen kann und mehr als nur solide Riffs abliefert sind die spanischen Lizzies. Die Band aus Madrid, einer Stadt die fast nie bei Aufzählungen Geburtsstätten bekannter Bands genannt wird, hat sich in den letzten Jahren einen gewissen Stand in der männerdominierten Rockwelt erarbeitet. Nach einigen EPs und Singles wurde am 1. April diesen Jahres das Debüt mit dem Titel „Good Luck“ über das kleine Label „The Sign Records“ als LP und CD veröffentlicht.lizzies-good-luck-cover

Die neun Tracks zollen ganz klar eine Menge an Tribut für Bands wie Girlschool, oder The Runaways. Doch allein der Opener „Phonenix“ mit seinem feinen Intro und den lospolternden Drums macht klar hier wird nicht nur der Retro-Hype bedient. Die vier Damen haben im Studio einen ordentlich Sound verpasst bekommen und können so mit vorbildlicher Dynamik und ordentlichem Druck überzeugen. Auch die Vielseitigkeit der Songs ist gewährleistet: Mal geht es mit harmonischen Melodien eher in Richtung Pop/Rock („Mirror Maze“) in anderen Songs wie „Speed On The Road“ oder „Viper“ fährt man eindeutig im NWOBHM-Gewässer.

Zu keinem Zeitpunkt stellt man sich hier die Authentizäts-Frage. Alles wirkt rund, gekonnt komponiert und gespielt. Die Scheibe macht auch nach zahlreichen Durchläufen noch Spaß und verspricht feines Material für Live-Shows die es zukünftig hoffentlich öfters in Deutschland zu sehen geben wird.

Hier das Lyric Video zum Opener „Phoenix“ und das offizielle Musikvideo zu „Mirror Maze“:

Songtipp: PRAG – Sophie Marceau

PRAG, ja genau, diese Band, bei der immer nur die Schauspielerin Nora Tschirner als Mitglied benannt wird. Die Musik des Trios ist im wahren Sinne das Wortes bezaubernd, voller angenehm schöner, sanfter Melodien, retroeskem Charme, der jedoch nichts mit retromania zu tun hat. Besonders die erste Single, welche auch als 7“ erhältlich ist, hat sich in mein Herz gespielt.