Reinhören: The Strange Boys

Unter dem Titel „Live Music“ erschien am Freitag, das insgesamt dritte Album der, bereits seit 2001 bestehenden, texanischen Band The Strange Boys. Doch entgegen, wie man es vom Titel erwarten könnte, handelt es sich bei „Live Music“ keinesfalls um ein Live-Album. Spricht man das „live“, stattdessen wie bei „Live forever“ aus, so ergeben die beiden Wörter doch mehr Sinn.

Und so nölt und nuschelt Sänger Ryan Sambols in Blues und Rock’N’Roll-Tradition über die trockenen Rhythmen und Melodien seiner drei Bandkollegen, die im Studio und manchmal auch live von den beiden Gastmusikern Jenna Thornhill-DeWitt und Tim Presley (Saxophon, Gitarre, Background-Vocals) unterstützt werden.

Die immer wieder aufkeimenden Töne des Saxophons und der Mundharmonika geben den elf Songs einen charmaten abgerundeten Klang und dem kratizigen, rauen Sound der Gitarren und des Schlagzeugs einen gewissen Gegenpol. Das Zusammenspiel ist kompakt und trocken. Somit plätschert das Album mehr dahin, als dass es von einem Höhepunkt zum nächsten springt.

Die Zeit verfleißt beim Hören von „Live Music“ jedoch zügig und so findet man sich immer wieder im Amerika der 60er-Jahre wieder und sieht die vier Herren in verwaschenen Klamotten und ein wenig bedröppelt, die swingenden Songs spielend, vor sich stehen.

Also Ohren auf und auf „play“ gedrückt:

 

Reinhören: Cloud Nothings

Das Debütalbum von Cloud Nothings, welches den selben Titel trägt, ist mit knapp 28 Minuten Länge schon mehr EP als LP. Ein Phänomen, was aber immer öfter beim Blick auf die Gesamtspielzeit einer CD auffällt. Wenn ein solch kurzes Album dann jedoch fast nur gute Songs zu bieten hat, gibt es zumindest im Grunde nichts zu bemängeln. Doch leider gehen die 11 Songs von „Cloud Nothings“ ziemlich im Einheitsbrei des Sounds unter. Zu wenige Unterschiede, Tempowechsel etc. lassen das Album mit seinem „LoFi-Pop-Rock“ fast so wirken, als würde es aus nur einem Song bestehen. Aber auch einzeln betrachtet sind es für mich persönlich nur drei Songs, die wirklich gute bzw. bessere Momente darstellen. Einmal wären das „You’re Not That Good At Anything“ und „Rock“. Zum anderen „Nothing’s Wrong“:


Nach dem Hören habe ich übrigens dieses „Ah, ah, ah“ und „Eh, eh, eh“, was in einigen der Songs immer wieder auftaucht nicht mehr aus dem Kopf bekommen.

Reinhören: Duffy – Endlessly

Duffy’s „Rockferry“ ist ein tolles Album und hat mir nach ein wenig Zeit letzendlich doch besser gefallen, als „Back To Black“ von Amy Winehouse. Auch wenn viele meinten, dass Duffy ja nur durch Amy Winehouse so erfolgreich sei und sie kopieren würde. Doch erstmal sind beide zwei völlig verschiedene Typus Sängerinnen. Sowohl vom Äußerlichen, als auch vom Stimmlichen. Und zweitens: Wenn haben beide kopiert bzw. geklaut, nämlich beim 60s-Soul.

Aber nun zu „Endlessly„. Auf „Rockferry“ war die musikalische Stimmung noch sehr häufig melancholisch, der Anteil an langsamen Stücken ist nun deutlich geringer. Von der oft grauen, leicht schüchternen Soul-Sängerin  zur mutigen, selbstbewussteren Frau.

Die erste Single „Well, Well, Well“ orientiert sich am Motown-Sound (der ja zurzeit ziemlich angesagt zu sein scheint). Tut dies aber um einiges besser, als „I Need A Dollar“ von Aloe Blacc zum Beispiel (welches durch häufiges Airplay inzwischen einen ziemlich hohen Nervfaktor besitzt). Insgesamt ist der Sound um einges mehr mit Pop angereichert worden, doch in den meisten Fällen klappt dies ohne den Verdacht auf Erfolg abgezielt zu sein, aufkommen zu lassen.

Insgesamt ist „Endlessly“ das Album, welches deutlich mehr Hits präsentiert. Doch dafür bietet „Rockferry“ eine Vielzahl an wunderbaren Soul-Stücke.

Reinhören: Sia

Gut gemachten Pop bringt zurzeit die gebürtige Australierin Sia mit. „Clap Your Hands“ läuft seit einiger Zeit relativ häufig auf sämtlichen Radiostationen.

Mit ihrem aktuellen insgesamt schon vierten Studioalbum „We Are Born“ hat sie es unter anderem in die Top-Verkaufslisten von Deutschland, Großbritannien, Australien und den USA geschafft.


Allein schon das wirklich interessante und mit bunten Einzelheiten gespickte Cover hat mein Interesse an den musikalischen Inhalten des Albums erweckt.
Beim ersten Durchlauf dachte ich zunächst noch, dass dieses Stück Musik wohl doch nicht das ist, was ich mir öfters anhören kann. Aber beim zweiten Hören der 13 Titel entdeckte ich doch ein paar interessante, meinen Ohren schmeichelnde Punkte. An manchen Stellen, löst Sia Furlers Stimme ein leichtes Kribbeln in meinem Körper aus – ich liebe es, wenn Stimmen das tun.
Besonders „The Fight“, „Stop Trying“, die Single „Clap Your Hands“ und „Bring Night“ haben sich einen Platz auf der Liste mit guten, von weiblichen Interpreten vorgetragenen Songs, verdient. Aber auch die restlichen Titel beweisen ein Gespür für abwechslungsreiche Eingängigkeit und sorgen gut produziert für gute Laune. Die elektronischen Popsounds sind gut strukturiert, so dass Furlers Stimme nicht in den Hintergrund verdrängt wird. Über die für dieses Genre üblichen unter dem Durchschnitt liegenden Songs kann man problemlos hinweg sehen.
Eigentlich ist „We Are Born“ ein Frühlings- und kein Herbstalbum, doch so kann man sich die Tristheit des Novembers mit fröhlich entspannter Musik aus dem Kopf zaubern. Zumindest für knapp 46 Minuten.

Reinhören: Leech

Und wieder einmal, kann ich eine musikalische Entdeckung der Sampler-CD eines Musikmagazins verdanken. In diesem Fall, der VISIONS.

Die knapp vierminütige Edit-Version von „The Man With The Hammer“ hatte sich schnell in mein Herz gespielt. Einige Zeit später sah ich auf einmal „The Stolen View“ im örtlichen Saturn. Ich überlegte eine kurze Weile und entschied mich, die CD für gerade mal 12,99€ zu kaufen. Und das einfache Digipack entpuppte sich als Verpackung für fast eine Stunde wunderbaren Post-Rock.

Es war und ist immer noch meine einzige wirkliche Berührung mit diesem Musikstil gewesen. Andere Bands, dieses Bereichs, die ich mir anhörte erzielten keine ähnliche Wirkung auf mich.

Die Songs fließen einfach. Aber nicht am Hörer vorbei, sondern neben ihm. Sie lassen einen träumen. Sie bringen einen zum Nachdenken. Oder zum Abschalten. Selbst zum Rocken, eignen sich ein paar Passagen.

Ein irgendwie tolles Gefühl, dieses Werk zu seiner Sammlung zählen zu dürfen.